Von 04. – 12. Juli 2026 fand die Internationale Physikolympiade (IPhO) in Südamerika, in Bucaramanga (Kolumbien) statt. Fünf Schüler aus Österreich konnten sich dafür qualifizieren. Nachdem die Tage zuvor ein Training an der Universität Wien gemeinsam mit der schweizerischen Nationalmannschaft stattgefunden hatte, flogen die Schüler bestens vorbereitet mit den Leadern Dr. Stefan Lorbek und Lucas Hörl zum Wettbewerb. Die Ergebnisse lassen sich sehen: Mit 3-mal Bronze (Benedek Ürge, Simon Fink, Lukas Doktor) und 2-mal Honorable Mention (Gabriel Wöss und Adrian Frühwirth) konnte jeder der Teilnehmer einen persönlichen Erfolg feiern.
Nach den nationalen Ausscheidungen konnten sich wieder fünf Schüler für die diesjährige Internationale Physikolympiade (IPhO), welche in Bucaramanga in Kolumbien stattfand, qualifizieren: Lukas Doktor, Simon Fink, Adrian Frühwirth, Benedek Ürge und Gabriel Wöss. Betreuer waren dieses Jahr: Stefan Lorbek (Leader 1), Lucas Hörl (Leader 2), Peter Graf (Observer). Die IPhO startete offiziell am 4. Juli und fand ein Ende am 12. Juli.
Der IPhO voraus gegangen war das übliche Spezialtraining für unsere Teilnehmer vom 29. Juni bis zum 3. Juli am Schulversuchspraktikums der Fakultät für Physik der Universität Wien in der Porzellangasse. An dieser Stelle sei ein spezieller Dank an die Fakultät und an Dr. Marianne Korner für Räume und Organisation ausgesprochen. Außerdem war dieses Spezialtraining eine echte Premiere für die Österreichische Physikolympiade, da wir es erstmalig zusammen mit den Teamleadern und den Schüler:innen des Schweizer IPhO-Teams abhalten konnten. Während des Spezialtrainings wurden unterschiedliche Aufgaben der theoretischen und der experimentellen Physik von den Schüler:innen bearbeitet. Die Schüler:innen beider Teams konnten dabei viel von den Schweizer und den Österreichischen Trainern und vor allem von einander profitieren. Gemeinsam mit den Schweizern hatten wir zwei benachbarte Apartments bezogen. Beim gemeinsamen Kochen und den Spieleabenden stand nicht nur das Fachliche im Vordergrund. So war das Spezialtraining nicht nur gut für die Teambildung sondern auch grenzüberschreitend. Leider erlitt der dritte Österreichische Betreuer Peter Graf einen schweren Bandscheibenvorfall und konnte somit nicht mitkommen.
Am 3. Juli flogen wir dann gemeinsam mit den Schweizern von Wien aus über Madrid und Bogota nach Bucaramanga. Leider hatte der Anschlussflug in Madrid sieben Stunden Verspätung, daher mussten unsere Schüler in einem Flughafen nahen Hotel eine ungemütliche Nacht verbringen. Am nächsten Tag ging es weiter weiter nach Bogota. Das Glück am Flughafen in Bogota war uns nur kurz gewogen. Eine kleine Gruppe der Schweizer konnten gleich einen Anschlussflug ergattern, während der Großteil von uns einen noch späteren Flug nach Bucaramanga nehmen musste, da nach der ersten Umbuchung der Flug plötzlich ausfiel. Bucaramanga ist eine kleine, saubere und sichere Provinzhauptstadt im nordwestlichen Bergland von Kolumbien. Am Flughafen in Bucaramanga tief in der Nacht angekommen wurden die Teams der Länder aufgeteilt. Die Schüler:innen wurden von den Betreuern separiert und in eigenen Bussen in ihre Hotels gebracht. Sie bekamen pro Land einen Guide (lokale Studenten) zugewiesen. Gleich dort mussten sie, wie üblich, all ihre elektronischen Sachen abgeben.
Unsere Schüler waren von der Reise so müde, dass sie verständlicherweise kurz angedacht hatten die Opening Ceremony am folgenden Morgen ausfallen zu lassen. Am nächsten Morgen, dem 4. Juli, waren dann aber alle internationalen Teams zu einer nett organisierten Opening Ceremony bei kolumbianischen Klängen im Neomundo Convention Center (nahe dem Hotel der Leader) anwesend. Die Teams wurden einzeln auf die Bühne gerufen, um ihr Land und ihre Flagge zu präsentieren. Wir konnten dort unsere Schüler ein letztes Mal vorm Wettbewerb sehen und ihnen alles Gute wünschen.
Danach ging es für die Schüler zurück in ihre Hotels zur Erholung und wir Leader hatten eine langwierige Sitzung nach dem Mittagessen bis spät in die Nacht. Dort wurde das Experiment für den ersten Wettbewerbstag vorgestellt und diskutiert bzw. die Fragestellungen verfeinert. Durch ein neuartiges und ungewohntes Computerprogramm verzögerte sich vieles und endete früh in einem Chaos. Dennoch gelang es uns zusammen mit den anderen deutschsprachigen Ländern – Deutschland, Schweiz und Liechtenstein – die Aufgabenstellungen zu übersetzen. Da sich das Ausdrucken ebenfalls verzögerte, bekamen wir die ausgedruckten Aufgaben erst um 8:00 Uhr in der Früh. Nach dem Kontrollieren und dem Verpacken in große Umschläge, haben wir die Aufgaben den Veranstaltern übergeben. Die Schüler hatten dann am 6. Juli den ganzen Vormittag bis 15:00 Uhr den experimentellen Teil des Wettbewerbs zu bewältigen. Dieses Jahr gab es ein Experiment aus der Wärmelehre. Leider waren viele der Experimente elektrisch fehlerhaft oder die Wasserschläuche bzw. -ventile waren sehr undicht. So konnten fast ein Drittel der Teilnehmer:innen (über 200) keine brauchbaren Messdaten erhalten. Währenddessen sind die Betreuer auf ihrer ersten Exkursion zum wunderschönen Chicamocha Canyon gefahren und danach gab es eine lustige Fahrt in einem der für diese Region typischen bunten „Taxis“ durch Barichara, abgerundet durch ein fantastisches Abendessen mit kolumbianischen Spezialitäten.
Am folgenden Tag hatten unsere Schüler ihre Exkursion in den Chicamocha Nationalpark, während wir Betreuer über die drei Theorieaufgaben debattierten und über die Probleme bei den Experimenten vom Vortag unterrichten wurden. Zuerst wurde vom Komitee eine erste Lösung für die finale Punktevergabe vorgeschlagen, welche sich aber zum Nachteil der Schüler:innen herausstellen sollte. Erst in den folgenden Tagen bei einer nächtlichen Sondersitzung konnten sich alle Delegationen auf einen Vorschlag aus den eigenen Reihen durchringen, der keine:n Schüler:in benachteiligen sollte. Die erste Theorieaufgabe beinhaltete drei kleinere Aufgaben zur Hydrostatik, Elektron-Positron-Interaktion und der Photodissoziation vom Ozonmolekül. Die zweite Aufgabe beschäftigte sich mit der Optik und der Wärmegewinnung bei „Solarkochern“. In der dritten Aufgabe mussten sie sich mit der Physik von dem paramagnetischen Carnot-Kühlkreislauf, den man schon seit den späten 1920er Jahren zum Kühlen bis nahe dem absoluten Nullpunkt (weit unter -270 °C) verwendet, auseinandersetzen. Während des Wettbewerbstag der Theorie für die Schüler:innen hatten die Betreuer zuerst einen geführten Spaziergang durch das Zentrum von Bucaramanga und dann einen kleinen Empfang an der Universidad Antonio Nariño. Am späten Nachmittag trafen wir unsere Schüler gleich nach ihrem Wettbewerb im Neomundo Convention Center, wo sie beide Teilwettbewerbe hatten. Dort gab es auch ein gemeinsames Buffet zum Abendessen.
Der nächste Tag war für unsere Schüler entspannend, während die Betreuer die Aufgaben ihrer Schüler:innen korrigierten. Am späteren Nachmittag trafen wir unsere Schüler beim „El Santissimo“-Park auf einem am Stadtrand von Bucaramanga gelegenen Hügel mit einer riesigen Christusstatue wieder. Der 10. Juli war für uns Betreuer der anstrengendste Tag, denn wir mussten bei den Moderations um die Platzierungen von unseren Schützlingen Punkt für Punkt mit den örtlichen Markern kämpfen. Schlussendlich kann sich die diesjährige Bilanz des Österreichischen Teams sehen lassen. Unsere Schüler haben drei Mal Bronze und zwei Honorable Mentions errungen (Bronze: Doktor, Fink, Ürge; HM: Frühwirth, Wöss). Adrian Frühwirth war der jüngste im Team und könnte nächstes Jahr noch einmal zur IPhO 2027, diesmal in Riad in Saudi Arabien, fahren, deshalb hat er schon am Heimflug wieder mit dem Lösen von Übungsaufgaben begonnen – denn nach der IPhO ist vor der IPhO. Herzliche Gratulation an die Schüler für ihre herausragenden Leistungen, auch unter schwierigen Wettkampfverhältnissen. Obwohl manches einen chaotischen Eindruck machte, war das Feedback unserer Schüler einhellig gut, vor allem geschuldet der überaus freundlichen und herzlichen Betreuung durch die Kolumbianer:innen und das reichlich gute Essen. Der Heimflug vom 12. auf den 13. Juli nach Österreich war im Gegensatz zur Hinreise sehr entspannt und ereignislos.
Auch gilt großer Dank Lucas Hörl, der als ehemaliger Teilnehmer der IPhO nicht nur fachlich exzellent betreute, sondern auch beim gesamten Training und Ablauf der Olympiade ein sehr große Stütze war. Ebenfalls mag ich nicht auf meine Kolleg:innen aus der Schweiz vergessen. Wir hoffen, dass ein gemeinsames Training unserer Länder vor der IPhO sich zu etwas Beständigem etablieren kann. Danke auch an Kollegin Karin Galle für ihre beherzte Unterstützung und die Bereitstellung von Experimentiermaterial für das Training. Ein großes Danke auch an die Verantwortlichen im Ministerium, ohne die eine Teilnahme an einem so großen Event gar nicht möglich gewesen wäre.
Dr. Stefan Lorbek (Leader)
Dr. Marianne Korner (Bundeskoordination)

